Allein in Deutschland treiben über 22 Millionen Menschen regelmäßig
Sport. Da treten schon mal Verletzungen oder Verschleißerscheinungen
der Gelenke auf. Besonders häufig sind Sprunggelenksverletzungen.
Wir sprachen mit dem Stuttgarter Orthopäden Dr. Christian Mauch über
Ursachen, Risiken und Folgen.
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Frage: Verletzungen des
Sprunggelenks sind bei Sportlern besonders häufig. Warum?
Dr. Mauch: Weil das Gelenk in vielen Sportarten belastet wird und
zusätzlich kompliziert aufgebaut ist: Es besteht aus dem unteren und
oberen Sprunggelenk und wird von drei Außen- und zwei Innenbändern
stabilisiert. Eine typische Verletzung ist der Bänderriss. Im Übrigen ist
der Außenbandriss beim Menschen die häufigste Bandverletzung und tritt
meist nach einem Umknicken auf. Überwiegend knickt der Fuß im oberen
Sprunggelenk nach innen hin ab.
Frage: Wie erkenne ich eine
Verletzung des Sprunggelenks?
Dr. Mauch: Zunächst natürlich am heftigen Schmerz im
Außenknöchelbereich. Danach bildet sich ein sichelförmiger
Bluterguss und der Fuß lässt sich kaum noch bewegen.
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Frage: Nun ist es passiert. Was dann?
Dr. Mauch: Auf jeden Fall zum Arzt gehen! Selbst harmlos wirkende
Verletzungen müssen von einem Orthopäden behandelt werden. Als
Erstversorgung empfiehlt sich eine Kompressionskühlung. Das heißt,
dass das betroffene Gelenk mit Eis gekühlt und einem Druckverband
stabilisiert werden sollte. Das verhindert das Anschwellen des Knöchels.
Und natürlich sollte das Gelenk so wenig wie möglich belastet
werden.
Frage: Der Gang zum Arzt
ist also unausweichlich. Wie wird eine Verletzung des Sprunggelenks normalerweise
behandelt?
Dr. Mauch: Der Außenbandriss wird immer konservativ, also
ohne Operation behandelt. Die beiden einfachsten Maßnahmen sind
gleichzeitig auch die wichtigsten: Den Fuß entlasten und schonen.
Durch eine Spezialbandage mit einer abnehmbaren Schiene (Aircast) und
gleichzeitiger Physiotherapie verheilen die Bänder meist innerhalb
von vier bis sechs Wochen vollständig.
Frage: Doch was, wenn man
nach einer längern Zeit noch immer über Instabilität im
Knöchel und Schmerzen klagt?
Dr. Mauch: Das kann mehrer Ursachen haben. Entweder sind die Bänder
nicht optimal zusammen gewachsen, die Bänder sind einfach lockerer
und somit das Sprunggelenk instabil oder es hat sich Narbengewebe im Gelenk
gebildet. Erste Wahl ist dann auf jeden Fall noch mal eine spezielle Krankengymnastik.
Sollte diese nicht zum gewünschten Erfolg führen, empfiehlt
sich, speziell bei Leistungssportlern, eine operative Rekonstruktion der
Bänder mittels der so genannten Periostklappenplastik.
Frage: Und was passiert
bei dieser Operation?
Dr. Mauch: Bei dieser speziellen Operationstechnik wird über
einen Hautschnitt ein streifenförmiger Teil der Knochenhaut vom Unterschenkel
abgetrennt. Dieser Streifen wird dann halbiert, umgeklappt und als Bandersatz
an den unteren Ansatzstellen der gedehnten oder gerissenen Bänder
verankert. Somit wird die Bänderkonstruktion des Sprunggelenks wieder
hergestellt.
Frage: Hört sich kompliziert
an
Dr. Mauch:
ist es aber nicht. Bei der Periostlappenplastik
handelt es sich um eine eher routinemäßige und sehr effektive
Behandlung von Instabilität im Sprunggelenk. Selbst Patienten, die
lange unter chronischen Bänderverletzungen gelitten haben, sind dank
dieser Technik in wenigen Wochen wieder fit. Nach der Operation muss das
Gelenk drei Wochen ruhig gestellt werden. Nach weiteren sechs Wochen Bewegungstherapie
ist das neue Band fest verheilt und das Gelenk wieder stabil.
Frage: Sie warnen davor,
einen Bänderriss nicht ernst zu nehmen. Was sind die Risiken?
Dr. Mauch: Im schlimmsten Fall führt eine Instabilität
des Gelenks zu einem Knorpelschaden in Verbindung mit Arthrose. Zusätzlich
bleibt das Gelenk langwierig in seinen Bewegungen eingeschränkt und
ist auch nur mit Schmerzen voll belastbar. Für Sportler ist das besonders
bitter. Schließlich sind damit stets längere Trainingspausen
verbunden.
Frage: Was würden Sie
also Sportlern bei einer solchen Verletzung empfehlen?
Dr. Mauch: Oft wird eine Sprunggelenksverletzung auf die leichte
Schulter genommen. Aber man vergisst häufig, dass das Gelenk bei
fast jeder Sportart enorm wichtig ist. Daher ist es entscheidend, den
Bänderriss vollständig auszukurieren. Dabei gilt die Faustregel:
Erst vier Wochen nach der Verletzung ist das Sprunggelenk wieder voll
belastbar.
Autor: Dr. med. Christian Mauch,
Ärztlicher Leiter der Klinik Dr. Mauch und Dr. Stihler, einer Klinik
für Orthopädie und Sportmedizin in Stuttgart.
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