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Kevelaer Marathon (ex. Honigkuchenmannmarathon): Erfahrungsbericht Walking 2008

Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Eine alte Weisheit, immer mal wieder neu aufgelegt. Da paßt es einem halt so in den Kram, Anfang Januar einen Marathon zu absolvieren. Als Walker, sowieso langsamer als die meisten Läufer, sucht man sich Veranstaltungen aus, die Lads ("lang auf der Strecke") akzeptieren. Erst einmal muss man überhaupt Veranstalter für den gewünschten Zeitraum finden. Da gibt es ja nun genügend Websites, die derartige Veranstaltungen listen.

Man googelt oder schaut in den Veranstaltungskalender vom Walkingportal. Da stößt man dann auf den Kevelaer Marathon (bekannt auch als Honigkuchenmannmarathon). Angemailt, bekommt man die Antwort: "Ein Zeitfenster für diesen Lauf gibt es nicht. Eine Laufzeit über 6 Stunden hinaus ist jedoch aufgrund des Geländes und der örtlichen Gegebenheiten nicht empfehlenswert". Das hört sich gut an. Also auf die Homepage zur Anmeldung.

Schade, Anmeldestopp, da Teilnehmerobergrenze von 333 Startern erreicht. Aber die LG Kevelaer hat auf ihrer Homepage ein Gästebuch, wo man, wenn man denn nicht starten kann, seinen bereits bezahlten Startplatz "Nachrückern" zur Verfügung stellen kann. Das kommt offenbar häufiger vor, als ich gedacht hatte. Ein recht reges "biete" und "suche" tummelt sich da. Mir ist kein Fall bekannt, wo die Startnummer für mehr als den offiziellen Preis den Besitzer gewechselt hat.

Auch hier schon mal ein kräftiges Dankeschön an die Organisatoren, dass sie diese Möglichkeit ganz offiziell bieten und nicht wie manch andere Veranstalter das Startgeld einfach einsacken, wenn man — aus welchen Gründen auch immer — nicht starten kann. So kam ich denn dann doch noch zu einem Teilnehmerplatz. In Kevelaer war ich zwar schon zweimal im Rahmen der LVN WALKING TOUR, bin aber immer am selben Tag angereist, gestartet und wieder abgedüst. Bei größeren Veranstaltungen mache ich lieber einen Kurzurlaub draus. Also am Vortag angereist, schon mal die Umgebung erkundet, endlich einmal im Ort spazieren gegangen. Der Wallfahrtsort Kevelaer ist ja ein Begriff.

Start-/Zielbereich beschnuppert, Startnummer geholt und auf die Pastaparty in der Jugendherberge gewartet.  Nun kenne ich mich in der Langläuferszene nicht so aus, kann Gesichter und Namen nicht in jedem Fall in Deckung bringen, aber nach Arolsen und Bärenfelslauf im Dezember wurde mir erstmalig so richtig klar, was sich da in Kevelaer so alles tummelte. Wer um diese Jahreszeit einen Marathon absolviert, gehört sicherlich nicht zu den Warmduschern (klingt nach Eigenlob — soll es aber nicht sein). Offensichtlich ist der Kevelaer Marathon ein Geheimtipp.

Horst Preisler (mit über 1.500 Marathons wohl Weltrekord), Bernhard Sesterheim, Karl-Heinz Kobus, Klaus Neumann waren da. Werner Sonntag fehlte, aber mit ihm habe ich mich in Arolsen mehrfach unterhalten. Sicherlich waren noch andere "Namen" vertreten, die ich halt (noch?) nicht kenne. Aber das ist schon eine Liga für sich.

Als ich nach der Pasta Party durch Kevelaer spazierte, kam mir doch so der Gedanke, ob ich denn als reiner und nicht schneller Walker überhaupt in diese Art von Veranstaltung gehöre. Überstrapaziere ich nicht die Geduld der Veranstalter, wenn ich als vermutlich letzter Finisher die gesamte Organisation aufhalte? Schädige ich so nicht den Ruf der Walker auf einer reinen Laufveranstaltung? Für nicht ganz voll genommen werden wir ja sowieso von vielen "echten" Läufern. Zudem gibt es ja inzwischen eine ganze Reihe von reinen Walking-Langstrecken-Veranstaltungen. Aber dann passen mal die Termine nicht oder die Entfernung ist zu groß oder, oder, oder.

Aber, wie dem auch sei, erst einmal loslegen. So geschah es denn dann auch am nächsten Morgen, einem frischen, aber herrlichen Januartag. Der Regen hatte sich dankenswerter Weise den Vortag ausgesucht. Pünktlich ging es auf die sechs Kilometer "Luftballon"- oder auch "Lolli"-Strecke. Also den Lollistil hoch, dann eine Rundstrecke und wenn man wieder am Stil angekommen ist, diesen runter bis zum Anfang als Wendepunkt. Alles klar? Und das Ganze dann sieben Mal.

Die "Stiel"-Strecke fester Sandboden, die Rundstrecke asphaltiert, nicht verkehrsfrei. Das störte aber nicht sonderlich. Jeder km ausgeschildert, durch die Streckenführung kam man alle ca. 2 km an einer Verpflegungsstation und einer stimmungsvollen, anfeuernden Menschengruppe vorbei. Bernhard Sesterheim meinte bei der Pasta Party, Marathon würde dick machen. Er hätte neulich bei einem ein Kilo zugenommen. In Kevelaer könnte das auch zutreffen. So oft, wie man an einer Verpflegungsstation vorbeikommt, könnte man sich kugelrund essen.

Schon recht bald wurde ich von den ersten Läufern und Läuferinnen überrundet. Kein Wunder, die sind ja auch ca. 2,5 mal schneller. Manchmal juckt es mich, auch zu laufen, aber dann ist es ja kein Walking mehr. Jedem Teilnehmer bin ich sicherlich mehrfach begegnet. Auch Volker Dickmann (LF Hadi Wesel), außer mir wohl der einzige konsequente Walker. Er war übrigens anderthalb Stunden schneller als ich, besser: wäre gewesen, wenn nicht…. doch dazu später. Mehrere Läufer walkten zwischendurch (in durchaus gutem Stil — nicht zu verwechseln mit den Läufern, die zwischendurch einfach mal gehen). Richtig Spaß machte die Gruppe Zuschauer, die kurz vor dem Sprecherwagen sich aufhielt. Da war wirklich Stimmung. Was hatten die bloß zu trinken??????

Nach und nach wurde es einsamer. Die Cracks waren schon lange im Ziel (klar, es war ja auch eine Laufveranstaltung, keine Walkingveranstaltung!!). Ich vermißte die Sprüche von Bernhard, die er immer drauf hatte, wenn wir uns begegneten oder das Zuwinken oder nur das Kopfnicken, wenn man sich begegnete, auch von Leuten, die man gar nicht näher kannte.

Am Ende von Runde fünf hatte der Sprecher sogar Zeit, mich persönlich in meine letzte Runde zu sprechen. Dabei hatte ich doch noch zwei vor mir. Da kamen mir wieder meine Zweifel, ob es denn gut sei…(siehe weiter oben). Auf dieser meiner sechsten Runde war in Winnekendonk kein Mensch mehr an der Strecke (war vorher eine stimmungsvolle Truppe dort), bei den weiteren Stationen war man beim Abbauen, bzw. die Streckenposten waren schon weg. Um es nochmal klar auszusprechen: das soll keine Kritik sein. Die wichtigen Posten (der Verpflegungsstand am Anfang des Rundkurses, die Sanität, das Ziel) waren alle noch besetzt und die Streckenführung hatte man ja nun wirklich intus.

Mir begegnete zwar noch eine Läuferin, Volker Berka war offensichtlich auch noch auf der Strecke, und mein Kopfrechnen funktionierte noch. Ich wäre ca. eine halbe Stunde hinter der Vorletzten eingetrudelt. Das an sich wäre mir auch völlig egal gewesen. Aber die Leute, die auf mich gewartet hätten, die von der Sanität, die im Ziel, wer auch immer, ich wollte einfach nicht, dass die nur auf mich warten. Deshalb habe ich nach der sechsten Runde aufgehört.

Leute, die ihr diese Veranstaltung organisiert und durchgezogen habt: vielen Dank, es hat mir viel Spaß gemacht, auch wenn ich die letzte Runde nicht mehr gedreht habe. Insofern ist die Ergebnisliste nicht ganz korrekt.

Übrigens: Bei der Verlosung habe ich soviel gewonnen, dass ich nicht nur mein Startgeld, sondern auch fast alle sonstigen Kosten wieder raus habe.

Fazit: eine wirklich lohnende Veranstaltung zum Jahresauftakt, gut organisiert, stimmungsvoll, man sollte aber unter sechs Stunden bleiben, sonst plagt einen eventuell das schlechte Gewissen. ;-)

Ich habe mir vorgenommen, im Veranstaltungskalender des Walkingportals mehr noch als bisher Zielschlusszeiten bei Langstreckenveranstaltungen zu vermerken, bzw. darauf hinzuweisen, wenn es "Frühstart"-Möglichkeiten oder andere Sonderregelungen gibt. Bitte helft mit und gebt Bescheid, wenn Ihr etwas wißt, was noch nicht vermerkt ist.

Horst-G. Robbers, Bad Neuenahr-Ahrweiler